Sterne am Waldboden

FDS beerntet Tannen in Oberfranken

Schwindelfreiheit ist hier unverzichtbar. Wenn Felix Jäger und Mathias Schmidt zum Zapfen pflücken in die Baumkronen klettern, liegen bis zu 35 m zwischen ihnen dem Boden. Nahe der Vexierkapelle St. Nikolaus liegt eines der letzten Tannenwaldrelikte unserer Heimat.

Die (Weiß-)Tanne (Abies alba), Gegenstand zahlreicher Volkslieder und Gedichte, war in vergangenen Jahrzehnten durch ungefilterte Abgase der Schwerindustrie vielerorts bis hin zum flächigen Absterben geschädigt worden (“Waldsterben“). Die Menge an Samenbäumen ist daher begrenzt. Und leider setzt sich der wenige Tannennachwuchs ohne aufwändigen Wildzaun kaum durch. Es müssen mühsame Wege beschritten werden, um sie vor dem Verschwinden zu bewahren.
 
 

Gründe, ihr zu helfen, gibt es genug: Bevor bei uns flächig die schnellwüchsigeren Fichten angepflanzt wurden, hatte sich die Tanne früh einen Ruf als guter Bauholzlieferant verschafft. Harzgewinnung und Schmuckreisig rundeten vor ihrem Niedergang eine umfassende Nutzung ab.

Seit einigen Jahren versuchen Förster und Wissenschaftler mit der vermehrten Wiedereinbringung von Tannen unsere Wälder widerstandsfähiger zu machen. Stürmen, Massenvermehrungen von Schädlingen und einigen potentiellen Folgen eines Klimawandels trotzen Tannen oftmals besser als andere Nadelholzarten.

Für Besitzer von kleineren Waldflächen bietet sie neben dieser Robustheit zudem weitere Chancen: Während für den Nachwuchs lichtbedürftiger Baumarten großflächige Lücken in den Wald geschlagen werden müssen, bietet die schattentolerante Tanne die seltene Möglichkeit, mehrere Generationen Holznutzung auf derselben Waldfläche zu vereinen. Im Schutz von Altbäumen können junge Tannen geduldig heranwachsen. Die spätere Nutzung von starken Stämmen verschafft ihnen dann nach und nach neuen Raum zum Ausreifen. Sie verkörpert den 300 Jahre alten Begriff der „Nachhaltigkeit“ perfekt- ein Begriff mit Wurzeln in der Forstwirtschaft!

Doch wie kommt man zu jungen Tannen? Selbsthilfeeinrichtungen der Waldbesitzer, hier die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken w.V., und Privatwaldförster der Bayerischen Forstverwaltung möchten sie fördern und setzen dazu im Gemeindewald Weilersbach-Reifenberg an. Hier steht ein Tannenvorkommen von außergewöhnlich guter Veranlagung und Wüchsigkeit. Die Gemeinde weiß um die Seltenheit und Güte ihres Bestandes, der dem Walddistrikt seit jeher seinen Namen gibt: Tannenwald.
 

Nun sind "Tannenzapfen" zwar ein fester Begriff in unserer Kultur, auffinden oder gar sammeln konnten sie jedoch die wenigsten! In der Regel werden sie nämlich mit Fichtenzapfen verwechselt.

Die Samenkörner der Tanne verbleiben von holzigen Schuppen geschützt stets in luftiger Höhe, bis die Sonne des ausgehenden Sommers den echten Tannenzapfen heruntertrocknet. Sodann verteilt der Wind Samenkörner und Schuppen direkt von den Wipfeln in die umliegenden Wälder hinein. Vom Zapfen bleibt nur eine dünne Spindel in der Baumkrone.
 
 

Wer also Saatgut veredeln und an passenden Waldorten aussäen möchte, darf nicht auf Zapfen warten, sondern muss sich beeilen und wie Felix und Mathias den strapaziösen Weg in die Baumkronen wagen.

Das aufwändig gewonnene Saatgut wird derzeit vor Ort gesammelt, anschließend in eine Samenklenge verbracht, gereinigt und lagerfähig getrocknet. Privatpersonen und Gemeinden können dann mit ihren Beratungsförstern Aussaatprojekte erarbeiten und auf entsprechende Anfrage hin Tannen aus „bestem Elternhaus“ im eigenen Wald aufwachsen lassen.
 
 
 
Die Revierleiter der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehen hierzu den Waldbesitzern wie gewohnt kompetent im Rahmen kostenfreier Beratungen zur Verfügung. Das Tannensaatgut können Sie direkt von der FDS (Forstliche Dienstleistungs und Service GmbH) beziehen. Schreiben Sie uns dazu einfach unter info@forst-fds.de.

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